Mit welchen Instrumenten will Ihre Partei die vielen forstwirtschaftlichen Betriebe im ländlichen Raum stärken?

Wir wollen die regionale Wirtschaft im ländlichen Raum mit gezielter Förderung generell Schwung bringen. Kleinen Betrieben wollen wir u.a. durch überbetriebliche Ausbildungsstätten flächendeckend Ausbildung ermöglichen. Die regionale Wertschöpfung wollen wir stärken, indem wir ein Bundesprogramm Regionalvermarktung und einen Förderschwerpunkt in der Gemeinschaftsaufgabe Ländliche Entwicklung aufbauen und etablieren. Die EU Agrargelder wollen wir anders verteilen und einen Vertragsnaturschutz im Wald etablieren.

Will Ihre Partei die gefundene Lösung bei der Erbschaftsteuer beibehalten?

Die Große Koalition hat die Erbschaftssteuer komplizierter und nicht gerechter gemacht. Sollte sie abermals vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern, werden wir ein einfaches und gerechtes Erbschaftssteuermodell entwickeln, das mit dem Grundgesetz übereinstimmt.

Wie wollen Sie die Waldeigentümer an den Erträgen von Unternehmen teilhaben lassen, die diese mit Leistungen erwirtschaften, die von den Waldeigentümern bisher unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden (z.B. Wasserwirtschaft, Netzbetreiber, Bergbauunternehmen)?

Wir wollen gesellschaftliches Geld für gesellschaftliche Leistung einsetzen. Wir wollen mit den EU-Agrargeldern auch eine Forstwirtschaft fördern, die Klima und biologische Vielfalt schützt und den BäuerInnen und WaldbesitzerInnen ein auskömmliches Wirtschaften in lebenswerten ländlichen Räumen ermöglicht. Dazu wollen wir für den Wald einen Vertragsnaturschutz etablieren, der Privatwaldbesitzer bei der Ökologisierung der Waldbewirtschaftung unterstützt und für die Bereitstellung von gesellschaftlichen Leistungen honoriert.

Was ist für Ihre Partei das Mittel der Wahl: Freiwilliger Vertragsnaturschutz oder Ordnungsrecht?

Für uns sind Ordnungsrecht und Vertragsnaturschutz zwei Seiten einer Medaille, die beide benötigt werden um Natur-, Gewässer-, und Bodenschutz wirksam umsetzen zu können. Die nachhaltige, generationsübergreifende Bewirtschaftung von Grund und Boden ist nicht nur im Interesse der Allgemeinheit, sondern vor allem auch der Eigentümer selber. Sollten gesellschaftliche Anforderungen darüber hinausgehen, sind vertraglich vereinbarte und vergütete Leistungen ein gutes Mittel für mehr Umwelt- und Naturschutz und eine gute Einnahmequelle für die NutzerInnen.

Die Stilllegungen im Wald sind laut BMEL mit 5,6 Prozent erfüllt. Wie steht Ihre Partei zu weiteren Flächenstilllegungen?

Wir stehen hinter der Nationalen Biodiversitätsstrategie und dem Ziel 5% aus der Nutzung zu nehmen. Allerdings gibt es zwischen BfN, BMUB und BMEL unterschiedliche Zahlen und Bewertungen zum aktuellen Stand der Stilllegung. Wir unterstützen daher gezielt weitere naturschutzfachlich wertvolle Flächen aus der Nutzung zu nehmen.

Wollen Sie Pflanzenschutz im Wald aufrechterhalten? Wenn ja: Mit welchen Mitteln wollen Sie den gesetzlich vorgeschriebenen Walderhalt sicherstellen?

Der in großen Teilen der Landwirtschaft praktizierte Pestizideinsatz hat sich als Sackgasse erwiesen. Er kann deshalb nicht Vorbild für die Waldwirtschaft sein und muss wirklich ultima ratio und Ausnahme für wenige klar definierte Fälle bleiben. Eine ökologisch wirtschaftende Waldwirtschaft ist der beste Garant für den Erhalt eines gesunden Waldes.

Soll die Holzenergienutzung im Rahmen der Energiewende weiter ausgebaut werden?

Holz aus ökologisch nachhaltiger Produktion ist ein wichtiger Rohstoff mit Zukunft z.B. in der Bau – und Energiewirtschaft. Durch eine bessere Kaskadennutzung können die existierenden Holzvorräte effizienter genutzt und zur Energiewende beitragen, während ihre Klimaschutzwirkung weiter gesteigert werden.

Unterstützt Ihre Partei das Zertifizierungssystem PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes)?

Wir unterstützen ambitionierte Zertifizierungssysteme und bevorzugen das FSC oder Neuland Siegel. Die Zertifizierungssysteme PEFC und FSC gleichzustellen, ist nicht sinnvoll. Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Systemen PEFC und FSC (im Übrigen auch zur Naturlandzertifizierung), wenn es um die Erarbeitung von Standards geht sowie im Verfahren selbst, z.B. bei der Kontrolle und Anerkennung. Wichtiger als eine Gleichstellung sind Transparenz und Information der Kunden/Verbraucher.

Mit welchen Instrumenten wollen Sie den Hemmnissen im Kleinprivatwald (wie Kleinparzellierung, Zersplitterung und Urbanisierung) begegnen?

Wir haben uns im Bundestag und Bundesrat dafür eingesetzt, dass das Bundeswaldgesetz eine dauerhafte Fortführung der bewährten Strukturen zur Unterstützung des nichtstaatlichen Waldbesitzes durch die Landesforstverwaltungen im Sinne einer nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Waldbewirtschaftung in den Bundesländern ermöglicht. Diese Struktur kann insbesondere Kleinwaldbesitzern zu Gute kommen.

Der wissenschaftliche Beirat des BMEL hat in seiner Stellungnahme zur BWI3 festgestellt, dass alle ökologischen Belange rund um den Wald in Deutschland eine durchweg positive Entwicklung aufweisen, sich Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätze und Strukturen des Eigentums dagegen negativ entwickeln. Wie sehen Sie das, und wie will Ihre Partei diesem negativen Trend entgegensteuern?

Die BWI3 hat in Teilen eine positive Waldentwicklung gezeigt, wie z.B. die Zunahme von naturnäherer Waldbestände und alter Laubbäume. Wir teilen aber die Ergebnisse einer Studie von Hennenberg und co. 2017, die noch Defizite insbesondere beim geringen Holzvorrat alter Laubbäume, sowie niedrige Vorräte an stark dimensioniertem Totholz sehen. Außerdem sollte eine nächste BWI von einem zusätzlichen Artenmonitoring begleitet werden.

Die Wähler im ländlichen Raum fühlen sich vermehrt von der Politik abgehängt, da Ihre Interessen nicht mehr gehört werden und anderen Gruppierungen, die jedoch weder die Verantwortung auf der Fläche noch das finanzielle Risiko tragen, hofiert werden. Wie wollen Sie diesem Trend der Politikverdrossenheit entgegenwirken?

Dass Menschen im ländlichen Raum sich abgehängt fühlen, hat seine Ursache in der zunehmenden Chancenungleichheit zwischen den Regionen. Finanzschwache Kommunen sind oft nicht mehr in der Lage für immer weniger Menschen Schulen, Kitas, Nahverkehr oder Krankenhäuser zu erhalten. Die Attraktivität des Lebensumfeldes nimmt ab. Wir wollen eine neue Gemeinschaftsaufgabe für die regionale Daseinsvorsorge schaffen, die Bund und Länder gemeinsam planen und finanzieren. Zudem sollen die Menschen vor Ort künftig selbst über die Verwendung eines „Regionalbudgets“ entscheiden.

Nennen Sie drei Gründe, warum unsere Mitglieder Ihre Partei wählen sollten.

Die Grünen sind die einzige Partei, die sich vorrangig um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und der Artenvielfalt kümmern. Wald spielt dabei eine herausragende Rolle. Die Grünen sind die einzige Partei, die konsequente Maßnahmen für den Klimaschutz ergreift – eine notwendige Voraussetzung für die Zukunft des deutschen Waldes. Die Grünen sind die einzige Partei, die ein Konzept hat für eine nachhaltige Holznutzung (insbesondere in der Bauwirtschaft) und -vermarktung.