Im Juni trafen sich Privatwaldbesitzer aus ganz Europa im Rahmen der Generalversammlung des Europӓischen Waldbesitzerverbandes CEPF in Stockholm, um aktuelle EU-politische Themen sowie künftige Herausforderungen und Chancen für Europas Privatwaldbesitzer zu diskutieren.

Die diesjӓhrige Generalversammlung wurde vom Schwedischen Bauern- und Waldbesitzerverband LRF in Sånga Säby – nahe Stockholm – anlässlich eines Jubiläums ausgerichtet. Vor 100 Jahren wurde der Verband dort gegründet. LRF ist eines von 23 Mitgliedern des Europӓischen Walbdesitzerverbandes CEPF aus 19 verschiedenen Lӓndern.

Hubert de Schorlemer, Prӓsident des Europӓischen Waldbesitzerverbandes CEPF, betonte in der Generalversammlung, dass „in Zeiten, in denen Privatwaldbesitzer in Europa immer mehr mit zahlreichen kritischen forstpolitischen Entwicklungen konfrontiert werden, starke Kooperationen und eine entsprechende Vertretung in Brüssel mehr denn je benötigt werden. Europa erlebt derzeit einen Wandel gefolgt von Unsicherheiten, besonders nach der Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen. Wir müssen in die Gestaltung der zukünftigen EU eingebunden werden.“

LRF-Vizeprӓsident Sven Erik Hammar betonte, dass „unsere lange Tradition nachhaltiger Familienforstwirtschaft eine Erfolgsgeschichte ist, auf die wir stolz sein können, und die wir unserer gesamten Gesellschaft zeigen sollten.“ In diesem Zusammenhang wiederholte er die Wichtigkeit der Grundprinzipien von CEPF: die Förderung nachhaltiger und multifunktionaler Waldwirtschaft, die Wahrung privater Eigentumsrechte und das Sicherstellen eines ökonomischen Forstsektors.

Als wesentliche politische Themen wurden wӓhrend der Generalversammlung die vorgeschlagenen Nachhaltigkeitskriterien im Rahmen der Erneuerbaren Energierichtlinie, Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF), die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und die EU-Naturschutzrichlinien angesprochen und diskutiert.

Der Weg zur Bioökonomie – Podiumsdiskussion

Im Rahmen der Generalversammlung wurde in einer Podiumsdiskussion, moderiert von Markus Larsson (Leiter des Klima und Umweltprogramms, Fores), das große Potential der Bioökonomie für Arbeitsplӓtze, Wachstum und Klimawandel diskutiert. Elisabeth Backteman (Staatssekretӓrin im schwedischen Ministerium für lӓndliche Entwicklung) machte auf das kürzlich verabschiedete Schwedische Klimagesetz aufmerksam. Dieses hat das Ziel für Schweden gesetzt, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu werden. Sie betonte, dass die vermehrte Verwendung erneuerbarer Ressourcen eine Notwendigkeit ist, dieses Ziel zu erreichen.

Ein Beispiel für Bioökonomie in der Praxis wurde außerdem von Lars Winter (Geschӓftsführer von Domsjö, und Vizeprӓsident Processum) gegeben. Das Beispiel zeigt die Produktion von holzbasierten Textilien, die Baumwolle und synthetische Materialien ersetzen. Er erinnerte an den Mehrwert von Wald und Holz: Alles was aus Öl hergestellt werden kann, kann auch aus Holz erzeugt werden.

Marco Lucisano (Vizeprӓsident von Papermaking & Packaging, RISE Bioökonomie) prӓsentierte die Ergebnisse der Studie „Eine zellulosebasierte Gesellschaft“ und betonte die Wissenslücke in der Gesellschaft über das Thema Bioökonomie in unserer Gesellschaft. Lucisano sagte: „Wir müssen in einer sehr transparenten Art und Weise erklӓren, was wir machen und warum“.

Zu Gast bei einem Schwedischen Waldbesitzer

Die Generalversammlung endete mit einer Exkursion der Mitglieder des CEPF, organisiert vom Schwedischen Bauern und Waldbesitzervband (LRF), im Wald eines schwedischen Privatwaldbesitzers. Gemeinsam mit dem Waldbesitzer und der regionalen Waldbesitzervereinigung Mellanskog wurde die schwedische Privatwald-Forstwirtschaft prӓsentiert und diskutiert. In Schweden gibt es ca. 330.000 Privatwaldbesitzer. LRF ist der Dachverband für vier regionale Vereinigungen, die als Produktionsgenossenschaft organisiert sind, sowie jeweils im Besitz und der Verwaltung durch die Mitglieder der Vereinigungen.

CEPF wӓhlt neue Vorstandsmitglieder

Wӓhrend der Generalversammlung wurden die Vorstandsmitglieder Felix Montecuccoli (Land & Forst Betriebe Österreich, Austria), Juha Marttila (MTK, Finland), Arnis Muiznieks (MIB, Latvia) and Michal Podstatzky-Lichtenstein (SVOL, Czech Republic) einstimmig für den Zeitraum 2017-2019 wiedergewӓhlt; António Cabral da Silveira Gonçalves Ferreira (CAP, Portugal) kam als neues Vorstandsmitglied hinzu. Gonçalves Ferreira ist Prӓsident des Portugiesischen Verbandes Mediterraner Waldbesitzer sowie seit Mai 2017 Vizeprӓsident und Mitglied des Vorstands von CAP. CEPF-Prӓsident Hubert de Schorlemer und die Teilnehmer der Generalversammlung begrüßten Gonçalves Ferreira als neues Vorstandsmitglied und bedankten sich bei Luis Dias (CAP, Portugal), der als Vorstandsmitglied zurückgetreten ist, für die gute Zusammenarbeit und sein Mitwirken im CEPF-Team wӓhrend der letzten Jahre.