Hans Carl von Carlowitz

Hans Carl von Carlowitz
Hans Carl von Carlowitz ist der Erfinder der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Seine Schrift, die Sylvicultura oeconomica, die im Jahr 1713 erschienen ist, ist das erste geschlossene Werk über die Forstwirtschaft. Mit dieser Schrift gilt von Carlowitz als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs.

Das Leben des Erfinders der Nachhaltigkeit

Hineingeboren wurde er am 14. Dezember 1645 in Oberrabenstein als zweitältester Sohn von insgesamt 16 Kindern in die vierte Generation der auf Burg Rabenstein lebenden Carlowitzens. Sein Vater war der kursächsische Oberforstmeister Georg Carl von Carlowitz. Ab 1659 besuchte er das Evangelisch-Lutherische Stadtgymnasium zu Halle, welches stark vom damaligen Geist des Humanismus geprägt war. Die Familie von Carlowitz war Teil des sächsischen Uradels und bereits seit mehreren Generationen im Management von Wäldern im sächsischen Erzgebirge tätig.

Von Carlowitz studierte 1664/1665 Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Jena, lernte Fremdsprachen und widmete sich naturwissenschaftlichen und bergbaukundlichen Studien. Während seiner Kavalierstour von 1665 bis 1669 sah er den Großen Brand von London und musste unverschuldet kurze Zeit in einem Londoner Gefängnis verbringen, da man von Brandstiftung ausländischer Agenten ausging. Von Carlowitz reiste schließlich durch Europa, besuchte Frankreich, die Niederlande, Dänemark, Schweden, Italien und Malta. Auf seiner Reise lernte von Carlowitz, dass Holz im Europa des 17. Jahrhunderts ein knapper Rohstoff war. In London war kurz zuvor das Buch Sylva von John Evelyn erschienen, 1669 wurde in Frankreich von König Ludwig XIV. ein modernes Waldgesetz erlassen. Auf diese Erfahrungen griff er später in seiner Sylvicultura oeconomica zurück.

1675 heiratete er Ursula Margaretha von Bose, die älteste Tochter von Christoph Dietrich von Bose. 1677 wurde er zum sächsischen Vize-Berghauptmann ernannt. Die Familie zog 1690 nach Freiberg, das Haus am Freiberger Obermarkt 10 existiert noch heute. Im Jahre 1711 wurde er zum Oberberghauptmann des Erzgebirges ernannt. Als Leiter des Oberbergamtes Freiberg lag unter anderem die Holzversorgung des kursächsischen Berg- und Hüttenwesens in seiner Zuständigkeit.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Sylvicultura oeconomica starb von Carlowitz am 3. März 1714 in Freiberg.

Bedeutung seines Werkes

Bedeutung erlangte er als Verfasser der Sylvicultura oeconomica, des ersten Werkes über die Forstwirtschaft. Darin fasste von Carlowitz das im Dreißigjährigen Krieg verringerte forstliche Wissen seiner Zeit zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und formulierte erstmals das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Von Carlowitz schrieb sein Buch in einer Zeit der Energiekrise. Die Erzgruben und Schmelzhütten des Erzgebirges (damals eines der größten Montanreviere Europas) mussten mit viel Holz als Energiequelle versorgt werden. Zudem trugen das Bevölkerungs- und Städtewachstum zur Holznot bei. Ein geregelter Waldbau sowie Gesetze, Ökostandards oder Zertifizierungen zur Aufforstung existierten nicht.

Von Carlowitz formulierte den Gedanken, respektvoll und pfleglich mit der Natur und ihren Rohstoffen umzugehen, er kritisierte den auf kurzfristigen Gewinn ausgelegten Raubbau der Wälder. Obwohl das Wort nachhaltend in seinem 432-seitigen Buch nur einmal vorkommt, gilt von Carlowitz als Schöpfer des Begriffes Nachhaltigkeit.

Wussten Sie schon?
Die nachhaltige Forstwirtschaft gibt es seit 300 Jahren.