Berlin, 1. Oktober 2015. „Mit einer Fläche von rund 11,4 Millionen Hektar leistet der Wald in Deutschland als Kohlenstoffsenke einen erheblichen Anteil zum Klimaschutz“, sagte Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, anlässlich der Internationalen Klimaschutzkonferenz ICCA 2015 („International Conference on Climate Action“), die heute (Donnerstag) und morgen in Hannover stattfindet. „Alleine in Deutschland entlastet der Wald die Atmosphäre jedes Jahr um rund 52 Millionen Tonnen Kohlendioxid.“ Die Konferenz wird im Vorfeld des Internationalen Klimagipfels veranstaltet, der Ende November in Paris beginnt, und diskutiert Maßnahmen zum Klimaschutz auf kommunaler Ebene. Dabei spielen auch der Schutz des Waldes sowie seine Rolle als CO₂-Senke eine Rolle in der Debatte.

Zu Guttenberg fordert im Rahmen der klimapolitischen Debatte eine stärkere Platzierung des Clusters Forst und Holz, das für die Produktion der ökologischen Ressource schlechthin verantwortlich ist. „Mit der nachhaltigen, multifunktionalen Bewirtschaftung unserer Wälder sorgen wir dafür, dass der Wald in einem guten Zustand ist und als CO₂-Senke zum Klimaschutz beiträgt“, so der AGDW-Präsident.

Die nachhaltige Forstwirtschaft, die jeden entnommenen Baum durch einen neuen ersetzt, sei die Voraussetzung für die hohe Senkenwirkung des Waldes in Deutschland. Über ihr Wachstum entziehen die Bäume der Atmosphäre Kohlendioxid, durch die Weiterverarbeitung zu Holz und Holzprodukten bleibt das Kohlendioxid dort weiterhin gespeichert. So beinhaltet ein Kubikmeter Holz eine Tonne Kohlendioxid. Zu Guttenberg: „Holz ist eine Art zweiter Wald. Im Gegensatz zu Beton, Stahl oder Ziegel ist das Holz ein ökologischer Rohstoff, der die Atmosphäre von Treibhausgasemissionen entlastet.“

Der Präsident machte deutlich, dass dieses Prinzip der Nachhaltigkeit durch die zunehmende Stilllegung großer Waldflächen gefährdet ist. „Ein stillgelegter und nicht bewirtschafteter Wald konterkariert den Klimaschutz. Die Wirkung als CO₂-Senke geht auf stillgelegten Flächen verloren, und gleichzeitig wird der Produktion von Holz die Basis entzogen.“ So habe zum Beispiel das Kabinett in Schleswig-Holstein am 1. September die Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes beschlossen. Diese sieht die Stilllegung von mindestens 10 Prozent der Waldfläche vor, die sich in der Hand von Land oder Kommunen befindet. In einer Vielzahl weiterer Bundesländer werde diese Stilllegungspolitik ebenfalls konsequent verfolgt. „Diese Art Naturschutz neutralisiert den Klimaschutz“, sagte zu Guttenberg. „Wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele einhalten und bis zum Jahr 2020 ihre Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 senken will, dann sollte sie nicht immer mehr Wälder aus der Nutzung heraus nehmen.“

Zudem werde Holz benötigt, um dieses verstärkt für den Holzbau und die Herstellung von Holzprodukten einzusetzen. Der Präsident der Waldeigentümer forderte eine Erhöhung der Holzbauquote in Deutschland, die zurzeit bei gerade mal 15 Prozent liegt (Österreich: 39 Prozent, Schweden: 55 Prozent).

Immerhin zögen einige Bundesländer bereits nach: Baden-Württemberg hat eine Holzbauquote von fast 24 Prozent, Rheinland-Pfalz von rund 22 Prozent und Bayern von immerhin 19 Prozent. „Im Bereich des ökologischen Bauens gibt es in Deutschland ein großes Potenzial. Holz kann in Zukunft eine wesentlich stärkere Verwendung im Industriebau wie auch bei der Errichtung privater Eigenheime finden“, sagte zu Guttenberg. Dafür aber werde Holz benötigt, das aus der nachhaltigen Forstwirtschaft komme. „Die Produktion von Holz darf nicht in Länder verlagert werden, in denen der Begriff Nachhaltigkeit ein Fremdwort ist und die Wälder ausgebeutet werden.“

www.icca2015.org