Windenergie im Nutzwald

Durch den Klimawandel, das Pariser Klimaschutzabkommen und die Energiestrategie 2050 ist der Ausbau erneuerbarer Energien zentral, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden.

Die Windenergie ist inzwischen einer der wichtigsten Stromquellen Deutschlands. Sie produziert mehr Strom als Atomkraft oder Steinkohle und ist die derzeit kostengünstigste und effizienteste Erneuerbare Energie. Daher ist Windenergie für die Energiewende und auch für die Erreichung der Klimaschutzziele besonders wichtig.

Auf der Suche nach neuen Flächen für Windenergieanlagen (WEA) rückt zunehmend der Nutzwald in den Fokus. Laut dem Bundesverband Windenergie (BWE) reichen die Flächen außerhalb der Wälder für den Ausbau der Windkraft allein nicht aus, um die Ziele der deutschen Energiestrategie zu erreichen. Im Jahr 2030 sollen mindestens 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen.

Nach Kress (2018) ist die Umsetzung von Windenergieprojekten im Nutzwald komplexer als im Offenland und stellt Projektierer und genehmigende Behörden vor zusätzliche Herausforderungen. Dennoch ist in den letzten Jahren der Anteil der Windenergieprojekte im Nutzwald rasant gestiegen.

Windenergieanlagen im Wald

Wirtschaftlichkeit

Windenergieanlagen bieten für Waldeigentümer ein erhebliches Einnahmepotenzial. Auch für Kommunen mit Körperschaftswald sind Windenergieprojekte interessant, partizipieren diese doch dann direkt von den Einnahmen aus der Windenergieerzeugung. Für Kommunen in strukturschwachen Gebieten kann ein realisiertes Projekt im Körperschaftswald die Sanierung des Gemeindehaushaltes bedeuten.

Standortplanung

Durch das Aufstellen von Windenergieanlagen greift man zwangsläufig in das Ökosystem ein. Hierbei wird das Landschaftsbild verändert. Standorte mit viel Wind liegen immer exponiert und sind damit gut sichtbar. Gleichzeitig ist der Wald ein bedeutender Erholungsraum der Deutschen, den 77 Prozent mit „Natur“ assoziieren. Das führt häufig zu einer Ablehnung von Windenergieanlagen im Wald. Bei der Standortplanung in Wirtsschaftswäldern kann dem begegnet werden, indem bereits bestehende Infrastrukturen wie Forstwege für die Zuwegung, Verkabelung und Wartung der Anlagen genutzt werden, um Eingriffe in das Waldökosystem möglichst gering zu halten. Durch Konzentrierung auf Flächen, die ohnehin eine geringe Erholungsfunktion aufweisen, lassen sich die Konflikte minimieren. Für die Standortplanung kommen nur reine Nutzwälder infrage.

Zudem muss beim Bau der Vogelschutz besonders beachtet werden. Neue Anlagen haben eine Nabenhöhe von ca. 140 Metern und mehr, was oberhalb der Flugbahnen vieler gefährdeter Tiere liegt. Der Rotmilan aber, für den Deutschland eine besondere Verantwortung trägt, da zwei Drittel der Weltpopulation in Deutschland brüten, ist von Windenergieanlagen stärker betroffen. Trotzdem konnte bisher kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Windenergieentwicklung und dem Greifvögelbestand der untersuchten Vogelarten Rotmilan, Seeadler und Wiesenweihe festgestellt werden. Ein Windpark direkt im Wald ist in der Regel weniger störend für Vögel als Anlagen am Rand des Waldes.

Auch Kollisionen mit Fledermäusen können durch neue Erkenntnisse stark reduziert werden. Die Anlagen werden in flugintensiven Zeiten so gezielt abgeschaltet, dass Ertragseinbußen minimiert und Fledermäuse gleichzeitig effektiv geschützt werden.

Somit sind die Effekte auf die Natur mit einer guten Standortplanung handhabbar. Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann der Konflikt zwischen Windenergie und Ökologie gelöst werden. Letztendlich ist die Windenergie die derzeit effizienteste und kostengünstigste Erneuerbare Energie und leistet ein wichtigen Beitrag für den Klima- und Artenschutz.

Akzeptanz und Ablehnung in der Bevölkerung

Generell ist festzustellen, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung einen weiteren Ausbau von Windenergie befürworten. Diese positive Einstellung erhöht auch die Akzeptanz lokaler Windenergieprojekte. Weitere positive Einflüsse auf die Akzeptanz kann man durch Vertrauensbildung in beteiligte Akteure, Ermöglichung von Partizipation und einen persönlichen und kommunalen ökonomischen Nutzen erreichen.

Anzahl der Windenergieanlagen auf Waldflächen in Deutschland werden durchs Anklicken der Bundesländer sichtbar (Stand Ende 2016); Datenerhebung Fachagentur Wind an Land

Flächen schätzen lassen

Sie haben eine Fläche und möchten wissen, ob diese für die Windenergieerzeugung geeignet ist? Im Falle von Acker- oder Weideland könnte auch, in Kombination oder alternativ, die Errichtung von Freiflächenphotovoltaikanlagen möglich sein. Die UKA-Gruppe bietet Ihnen hier die Möglichkeit einer unverbindlichen Flächenprüfung an.

Bei Interesse nehmen Sie gerne Kontakt zu unserem Partner der UKA-Gruppe auf. Sie sind Experten bei der Planung von Windenergieanlagen im Wald und beraten Sie gerne!
Quellen

Kress, A. (2018). Wie die Energiewende den Wald neu entdeckt hat. In O. Kühne & F. Weber, Bausteine der Energiewende. Wiesbaden: Springer VS.

Dorda, D. (2018). Windkraft und Naturschutz. In O. W. Kühne, Bausteine der Energiewende. Wiesbaden: Springer VS.

FA Wind (2017): Entwicklung der Windenergie im Wald – Ausbau, planerische Vorgaben und Empfehlungen für Windenergiestandorte auf Waldflächen in den Bundesländern, Berlin

Ludwig, N., & Bosch, S. (2014). Standortalternativen für die Windenergie–Berechnung des Ertragspotenzials auf Offenland-und Waldstandorten in Bayern. Raumforschung und Raumordnung72(4), 293-308.

Liebal, S. (2013). Wind über Wald – Ein Review empirischer Ergebnisse zur Einstellung gegenüber und Akzeptanz von lokalen Windenergieprojekten im Wald. Allgemeine Forst und Jagdzeitung, 225-236.