Ralf Breuer, Geschäftsführer der UKA Meißen Projektentwicklung, über das Potenzial von Windenergie im Wald

1. Welches Potenzial sehen Sie für Windräder in Waldgebieten?

Wälder, die bereits Funktionen als Ökosystem, Wirtschaftswald und Erholungsort erfüllen, können eine weitere wichtige Funktion erhalten: Als Standort für Windenergieanlagen können sie eine bedeutende Rolle in der Energiewende spielen. Im waldreichen Süden Deutschlands eignen sich insbesondere Bergrücken als ertragreiche Standorte für Windenergieanlagen. Das Ökosystem, die nachhaltige Forstwirtschaft und der Jagdbetrieb werden durch die Nutzung des Waldes für Windenergie nicht eingeschränkt. Laut der Fachagentur Windenergie waren 2018 rund sieben Prozent der deutschen Windenergieanlagen auf Waldflächen in Betrieb. UKA hat inzwischen mehr als 80 Anlagen auf Waldflächen projektiert. Diese Anlagen gelten als besonders anwohnerfreundlich, weil sie siedlungsfern stehen und leiser als die Geräuschkulisse des Waldes sind.

2. Auf welche Weise profitieren Waldbesitzer, die Windräder in ihren Wäldern aufstellen?

Für Waldeigentümer und Kommunen bedeuten Windenergieanlagen in Nutzwäldern eine zusätzliche Ertragsmöglichkeit. Gerade jetzt angesichts der aktuellen Krise im Wald in Folge des Klimawandels können sich Waldbewirtschafter hier eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. Der Eingriff in das Ökosystem bleibt dabei gering, da sich die Rotorblätter der Anlagen mit großem Abstand über den Baumkronen drehen, und es werden kaum zusätzliche Flächen verbraucht. Darüber hinaus stellen wir mit Ausgleichsmaßnahmen rund um unsere Wald-Windparks sicher, dass neuer Wald entsteht. Am Standort Göllnitz-Lieskau-Rehain wurde eine Fläche etwa mit Lärche, Traubeneiche, Hainbuche und Kiefer in einem Umfang von rund zwölf Hektar aufgeforstet, um zur Erhöhung der Biodiversität beizutragen.

3. Welche Regionen und Bundesländer setzen besonders stark auf Windkraft?

Den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus Windenergie an Land leistet das windreiche und in der Fläche große Niedersachsen. 2018 waren dort laut Bundesverband für Windenergie bereits Windenergieanlagen mit einer Leistung von 11.165 Megawatt installiert.
Niedersachsen gehört trotzdem zu den Bundesländern, in denen die Windenergiegewinnung im Wald bislang nicht möglich ist. Neun der 16 Bundesländer haben aber bereits erkannt, wie wichtig Windenergiegewinnung im Wirtschaftswald für die Energiewende ist. Möglich ist sie bereits in Bayern, Baden-Württemberg, Postfach Presse im Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg.

4. Was antworten Sie Kritikern, die sagen, Windräder beschädigen das Landschaftsbild?

In vielen Wäldern, die für die Windenergiegewinnung infrage kommen, sind die Anlagen vom Boden aus kaum zu sehen. Was zum Landschaftsbild gehört, ist aber auch eine Frage der Wahrnehmung und der Gewöhnung. Wir haben uns als Gesellschaft das Ziel gesetzt, den Klimaschutz voranzutreiben und setzen dafür auf erneuerbare Energien. Für die dringend notwendige Energiewende ist die Windenergie, auch im Wald, eine wichtige Säule. Außerdem: Ein Windrad braucht nur eine kleine Fläche.

5. Wie lange kann eine Windenergieanlage stehen bleiben?

In Abhängigkeit von Standort, Anlagentyp und anderen Faktoren können Windenergieanlagen deutlich länger als 20 Jahre grünen Strom produzieren. Aber auch nach dieser Zeit kann der Standort möglicherweise weitergenutzt werden. In vielen Fällen bietet sich nach Ende der Laufzeit ein sogenanntes Repowering, also der Austausch gegen eine neue und leistungsfähigere Anlage, an.