Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) hat auf seiner 68. Jahrestagung und auf seiner Mitgliederversammlung, die vom 24. bis 26. Juni in Berlin stattfanden, den Kleinprivatwald in den Fokus gerückt. In der Berliner Erklärung, die von der Mitgliederversammlung einstimmig verabschiedet wurde, hat sich der DFWR mit einem Forderungskatalog an die Politik gewandt. „Vor dem Hintergrund des strukturellen Umbruchs in der Forstwirtschaft und vor dem Hintergrund des Klimawandels braucht der Kleinprivatwald jetzt eine tatkräftige Unterstützung von Bund und Ländern“, sagte Norbert Leben, Vizepräsident der AGDW – Die Waldeigentümer und Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen. Für Leben ist die Berliner Erklärung ein wichtiges Signal: „Jetzt müssen die richtigen Weichen gestellt werden, um die Pflege und somit die Stabilität der Wälder in 50 und 100 Jahren zu sichern.“

Zu den zentralen Forderungen zähle die Umstellung von der indirekten zur direkten Förderung, so Norbert Leben, außerdem die Erweiterung des Beihilferahmens für Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse auf europäischer Ebene, der Ausbau der Fortbildung für die Akteure im Kleinprivatwald und die finanzielle Unterstützung der Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel. „Wir brauchen eine gemeinsame Offensive für den Kleinprivatwald, um die Vielzahl an aktuellen Herausforderungen bewältigen zu können“, sagte der AGDW-Vizepräsident.

Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend klein strukturiert und zersplittert. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche teilen sich Betriebe, die weniger als 20 Hektar bewirtschaften. Aufgrund dieser sozialpolitisch breiten Streuung des Waldeigentums braucht es unter den aktuellen Bedingungen neue Fördermaßnahmen. „Um auch weiterhin für die Stabilität der Wälder sorgen zu können, brauchen gerade die Kleinprivatwaldeigentümer eine konsequente Stärkung durch eine direkte finanzielle Förderung“, sagte AGDW-Hauptgeschäftsführer Alexander Zeihe.

Tiefgreifender Strukturwandel in der Forstbranche setzt Kleinprivatwald zu

Er machte deutlich, dass eine kostendeckende Pflege gerade für den Kleinprivatwald oftmals schwierig sei. Der tiefgreifende Strukturwandel in der Forstbranche und die Folgen des Klimawandels wie Stürme, trockene Sommer und großflächiger Schädlingsbefall würden den Kleinprivatwaldbesitzern noch einmal mehr zusetzen. Zeihe: „Schnelle und unbürokratische Hilfen etwa zur Bewältigung von Sturm- oder Insektenkalamitäten sind ein weiterer zentraler Baustein für die Unterstützung des Kleinprivatwaldes.“

Neben dem Deutschen Forstwirtschaftsrat hat auch der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium die Zukunft dieses Sektors in den Vordergrund gerückt. In seiner aktuellen Stellungnahme Betreuung und Förderung im kleinstrukturierten Privat- und Körperschaftswald  hat der Beirat zehn Eckpunkte formuliert, die u.a. für eine direkte Förderung, für eine erhöhte Beratungsleistung, für die unbürokratische Bereitstellung öffentlicher Mittel und die Unterstützung gerade der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse plädieren. Mit der Berliner Erklärung des DFWR und dieser Stellungnahme erhalte der Kleinprivatwald kräftigen Rückenwind. „Der Handlungsbedarf ist klar“, sagten Leben und Zeihe, „Bund, Länder und Verbände sind jetzt aufgerufen, sich gemeinsam für den Kleinprivatwald einzusetzen.“

Die Berliner Erklärung finden Sie hier. Die Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates für Waldpolitik finden Sie hier.