Vor der Wahl der Bundeskanzlerin in der kommenden Woche fordert Philipp zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, dass sich die neue Bundesregierung für eine Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in Deutschland stark macht. „Wer die Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele ernsthaft umsetzen will, muss die Mobilisierung des Rohstoffes Holz ganz oben auf die Agenda setzen“, sagte zu Guttenberg. Dazu zähle eine entschiedene Unterstützung des Kleinprivatwaldes. Dieser mache das Gros der Waldbesitzer in Deutschland aus und stehe mit Blick auf das Kartellverfahren vor dem größten Strukturwandel seit Gründung der Bundesrepublik.

Eine gute Voraussetzung sei die neue Spitze im Ressort Landwirtschaft: Zu Guttenberg freut sich darüber, dass mit Julia Klöckner eine kompetente und durchsetzungsfähige Fachministerin dieses Ressort führen wird. „Aufgrund ihrer jahrzehntelangen politischen Erfahrung auf Bundes- und Landesebene und als Winzertochter mit engem Bezug zum ländlichen Raum ist Frau Klöckner prädestiniert für dieses Ministerium“, sagte der AGDW-Präsident. Darüber hinaus stehe sie mit ihrem Sachverstand und ihrem lebendigen Politikstil für den Generationenwechsel in der Bundesregierung.

Waldeigentümer verfügen über große Expertise bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung

Zu den zentralen Forderungen des Verbandes zählt – so zu Guttenberg – ein Umdenken bei der Naturschutzpolitik, die in den vergangenen Jahren im ländlichen Raum zu starken Kollisionen mit Waldeigentümern und Landnutzern geführt hat. „Als Waldeigentümer verfügen wir über eine große Expertise und großartige Erfolge bei der nachhaltigen Bewirtschaftung und Pflege der Wälder“, sagte der AGDW-Präsident. Daher müssten die Waldeigentümer bei den Gesetzen einbezogen werden, die ihre Flächen betreffen.

Das gelte auch für die Entschädigungspraxis beim Netzausbau: Auch hier müsse es zu einer Änderung bei den Regelungen kommen. „Wer über unsere Köpfe hinweg entscheidet, hängt den ländlichen Raum ab“, sagte zu Guttenberg. Naturschutz und Energiewende dürften nicht weiterhin ohne Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung ausgestaltet werden. Zu Guttenberg hoffe, dass die neue Bundesregierung an dieser Stelle einen Kurswechsel vollzieht.

Ein positives Signal sei, dass ein Kompetenzzentrum Wald und Holz in den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD aufgenommen wurde. Dieses Zentrum müsse jetzt mit Leben gefüllt werden. „Wir erwarten, dass die Stärkung und Förderung der vielen Forstbetriebsgemeinschaften oberste Priorität in diesem Zentrum haben wird“, forderte zu Guttenberg. „Sie sorgen für die Wälder, und sie sind ein wichtiger Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor auf dem Land“. Vor dem Hintergrund des Kartellverfahrens wird in Zukunft die indirekte Förderung wegfallen. Daher wird eine direkte Förderung gebraucht, die zu einer Professionalisierung der Strukturen im Kleinprivatwald führt.

Für den Hintergrund:

  • Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 67 Prozent Privatwald sowie Kommunal- und Körperschaftswald.
  • Fast die Hälfte (48 Prozent) der 11,4 Millionen Hektar sind Privatwald.
  • Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend klein strukturiert und zersplittert. Daher sind viele Kleinprivatwaldbesitzer etwa in Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen organisiert. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche teilen sich Betriebe mit weniger als 20 Hektar. Nur 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben mit einer Größe über 1.000 Hektar.
  • Die Eigentumsstrukturen haben sich historisch und regional unterschiedlich entwickelt. Die Klein- und Kleinstwaldflächen in Privatbesitz sind vielfach im Zuge der historischen bäuerlichen Besiedelung oder durch Erbteilung, Teilung der Allmende oder Aufforstung landwirtschaftlicher Flächen entstanden.