Porträt_MoritzRaben
Moritz Raben ist ein junger Waldeigentümer aus Mecklenburg-Vorpommern. 2016 ist er in den elterlichen forst- und landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Ribnitz-Damgarten eingestiegen. Gemeinsam mit Moritz Loe hat er die Initiative „Junge Waldeigentümer“ gegründet.
Die AGDW hat Moritz Raben in seinem Wald interviewt.

Herr Raben, woran orientieren Sie sich bei der Bewirtschaftung Ihres Waldes?

Leitgedanke der Bewirtschaftung unserer Wälder liegt darin, die ökonomische Wertschöpfung der forstwirtschaftlichen Flächen nachhaltig zu erhöhen. Hierbei orientieren wir uns maßgeblich an der naturgemäßen Waldbewirtschaftung nach den  Grundsätzen der ANW (Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft). Wir bewirtschaften unsere Wälder daher gemäß dem Dauerwaldprinzip mit der Zielstellung einer vielfältige Baumarten- und Altersstruktur. Auf Kahlschläge mit anschließender Neuanpflanzung verzichten wir sowohl aus ökonomischen wie ökologischen Gründen. Ein angepasster Wildbestand unter dem sich jede Baumart ohne Zaunbau natürlich verjüngen kann, ist daher auch eine zentrale Aufgabe.

Was ist das Besondere an Ihrem Wald?

Wir bewirtschaften ca. 1.200 ha Wald mit einem jährlichen Einschlag von rund 7.000 FM. Auf den sehr unterschiedlichen Standorten stellen Fichte, Buche, Ahorn, Eiche, Lärche und Kiefer die Hauptbaumarten dar. Insgesamt befindet sich der Wald seit Mitte der 90er Jahre im Umbau vom klassischen Altersklassenwald hin zum Dauerwald und ist daher heute bereits durch eine sehr vielfältige Naturverjüngung  geprägt.

Darüber hinaus ist das Recknitztal an sich ein besonders wertvolles Stück Natur. Es beheimatet eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten und ist nicht nur für den Schreiadler ein wichtiges Rückzugs- und Brutgebiet.

Warum haben Sie sich für den Wald entschieden?

Es waren zum einen die Verbundenheit zur alten Heimat aber sicher auch die großen Chancen die meinen Vater Mitte der 90er Jahre bewegten, die forstwirtschaftlichen Flächen nahe Semlow zu erwerben. Seitdem wurde es auch für uns Kinder immer mehr zu einer Heimat, zu der neben der Landwirtschaft auch der Wald gehört. Für mich gehört er einfach dazu.

MoritzRaben mit VaterMoritz Raben, der 2016 in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, mit seinem Vater Elard Raben.
Was bedeutet Wald für Sie? Fühlen Sie sich hier besonders wohl?

Es ist für mich einfach eine große Freude in der Natur zu sein und im Wald zu arbeiten. So bin ich beinahe täglich im Wald unterwegs und sehe dies als wunderbaren Ausgleich zu den täglichen Arbeiten im Büro.

Hat der Klimawandel Auswirkungen auf Ihren Wald? Was tun Sie, um Ihren Wald fit zu machen für die Zukunft?

Die allmählich spürbaren Folgen des Klimawandels bereiten uns sowohl in der Land- wie auch der Forstwirtschaft bereits heute große Sorge. Zunehmende Wetterextreme in Form von monatelangen Regen- und Dürreperioden oder Orkanen und Stürmen gehen nicht spurlos an den Wäldern vorüber. Der Windwurf im Januar mit 1.500 FM machte uns dies noch einmal deutlich.

Waldbaulich sehen wir im Dauerwald mit einer vielfältige Baumarten- und Altersstruktur den richtigen Weg, um stabile und damit widerstandsfähige Waldbestände aufzubauen. Neben der vorrangig natürlichen Verjüngung versuchen wir aber auch ganz explizit neue klimatolerantere Baumarten, wie die Weiß- oder Küstentanne zu etablieren.

Was bedeutet für Sie persönlich Nachhaltigkeit? Und was bedeutet es konkret für Ihre Waldbewirtschaftung?

Als Familienbetrieb sind wir vom Dauerwaldkonzept aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Gründen überzeugt.  Es vereint sowohl betriebswirtschaftliche Grundsätze und wird zugleich der Verantwortung gegenüber der  Natur und der nächsten Generation gerecht.

In unseren Wäldern befinden sich vielfältige und wundervolle Biotope. So ist der Naturschutz auch integraler Bestandteil unserer Bewirtschaftungsgrundsätze. Bereits heute sind über 100 ha als Naturwald dauerhaft aus der Nutzung genommen und teils als Feuchtgebiete renaturiert. Naturschutzfachlich besonders wertvolle Flächen wurden dabei bei verschiedenen eigenen Projekten, bei Ausweisung von Ökokonten und dem Großprojekt „Chance-Natur“ dauerhaft für Schreiadler, Rotmilan, Kranich und Co. unter Schutz gestellt.

Haben Sie Pläne oder Ideen für Ihren Betrieb?

Die unterschiedlichen Betriebszweige Forst, Acker, Milch und Biogas lassen natürlich viel Raum für Pläne und Ideen. In diesem Sinne haben wir unsere Biogasanlage vor wenigen Monaten flexibilisiert und planen heute die Erweiterung des Milchviehstalls. Explizit im Forst liegt mein Fokus aktuell aber noch auf der Einarbeitungsphase und auf waldbauliche Diskussionen zu den verschiedenen schwierigen Ecken.

Warum ist ihr Wald PEFC-zertifiziert? Was versprechen Sie sich von der PEFC-Zertifizierung?

Da wir uns bereits an den Grundsätze der ANW orientieren, haben wir in unserem Forstbetrieb bereits die wesentlichen Kriterien erfüllt. Auch der Dauerwaldcharakter, das viele Totholz und die Artenvielfalt, die wir in unserem Wald haben, war eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Zertifizierung. Ich halte PEFC für ein sehr wichtiges Projekt, weil es den Nachhaltigkeitscharakter unserer Waldbewirtschaftung herausstellt. Wir bewirtschaften unseren Wald vorausschauend, weil wir uns diesem Stück Natur verbunden fühlen.

Raben_FernglasDas Recknitztal ist ein besonders wertvolles Stück Natur. Es beheimatet eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten.
Ein Imageprojekt der AGDW – Die Waldeigentümer und PEFC.