Krise im Wald

Der Klimawandel ist in den Wäldern angekommen. Die Dürre im vergangenen Jahr 2018, die vorangegangenen Stürme und die anhaltende Trockenheit in 2019 haben dem Wald in Deutschland zugesetzt. Ein einzelnes Extremwetterereignis würde der Wald verkraften, eine ganze Kette jedoch aus Stürmen, Dürre, Trockenheit und Schneebruch, wie sie in jüngerer Zeit auftreten, hat zu einer Jahrhundertkatastrophe in den Wäldern geführt.
Betroffen sind alle Baumarten, Nadel- wie Laubbäume gleichermaßen. Jede Baumart hat ihren Schädling: Borkenkäfer und Nonnenspinner setzen Fichten und Kiefern zu. Buchen und Erlen leiden unter einem Pilzbefall, die Eiche unter dem Eichenprozessionsspinner, der schwere gesundheitliche Folgen auch für den Menschen haben kann. Mittlerweile sind die Schäden an den Bäumen auch für den Laien nicht mehr zu übersehen. Kahlflächen, vertrocknete Bäume und Jungpflanzen, abgebrochene Bäume und Äste gehören seit einigen Monaten zum Waldbild dazu.

70 Millionen Festmeter Schadholz

Die Schäden sind enorm: Rund 70 Millionen Festmeter Schadholz, ein Waldverlust von etwa 110.000 Hektar und Kosten zur Beräumung der Schäden in Höhe von etwa 2,1 Milliarden Euro sind das vorläufige Resultat dieser Krise. Rund 300 Millionen Bäume und ein Finanzvolumen von etwa 640 Millionen Euro werden für die Wiederbewaldung benötigt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die AGDW rechnet mit einem Anstieg dieser Schadensbilanz.
Auch für die privaten, kommunalen und körperschaftlichen Waldeigentümer, die rund 67 Prozent der Waldfläche in Deutschland bewirtschaften, sind die Auswirkungen gravierend: Waldbesitzer, die sich ihren Wäldern verbunden fühlen und diesen vielleicht seit Generationen pflegen und bewirtschaften, müssen erleben, wie Teile ihrer Wälder in wenigen Monaten zerstört sind. Manche Familienforstbetriebe sind in ihrer Existenz bedroht, da sich die Holzpreise halbiert haben oder noch weiter in den Keller gefallen sind.

Der Klimaschützer

Die Waldeigentümer leisten mit ihrer nachhaltigen Waldbewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Ökosystems Wald, zur Artenvielfalt, zum Klimaschutz, zur Bereitstellung des Rohstoffes Holz, sie sorgen dafür, dass die Wälder als Erholungsort genutzt werden können. Wälder sind unsere Lebensgrundlage: Sie produzieren Sauerstoff, sorgen für sauberes Trinkwasser, nehmen Kohlenstoff auf und sind damit die Klimaschützer schlechthin. Ohne Wälder gibt es kein Leben auf der Erde.
Daher muss die Rettung unserer Wälder eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Die Waldeigentümer können dies nicht allein stemmen. AGDW-Präsident Hans-Georg von der Marwitz fordert daher einen ressortübergreifenden „Pakt für den Wald“. Bundesregierung und einige Bundesländer haben die Auswirkungen dieser Katastrophe erkannt und Hilfen zugesagt. Angefangen bei Hilfen in Höhe von 25 Millionen Euro, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vergangenes Jahr zugesagt hat, über Unterstützung für die Wiederbewaldung bis zur Moritzburger Erklärung, die von den unionsgeführten Ländern Anfang August verabschiedet wurde, ist die Krise in den Wäldern auf der Agenda der Politik. Jetzt muss schnell gehandelt werden. Die Waldbewirtschafter brauchen vielfältige Unterstützung, um die schweren Schäden zu bewältigen, die zerstörten Flächen wieder zu bewalden und die Wälder gegen weitere Extremwetterereignisse zu stabilisieren.
Die Forderungen der Waldeigentümer finden Sie hier.