Krise im Wald

Der Klimawandel ist in den Wäldern angekommen. Die Dürre im vergangenen Jahr 2018, die vorangegangenen Stürme und die anhaltende Trockenheit in 2019 haben dem Wald in Deutschland zugesetzt. Ein einzelnes Extremwetterereignis würde der Wald verkraften, eine ganze Kette jedoch aus Stürmen, Dürre, Trockenheit und Schneebruch, wie sie in jüngerer Zeit auftreten, hat zu einer Jahrhundertkatastrophe in den Wäldern geführt.
Betroffen sind alle Baumarten, Nadel- wie Laubbäume gleichermaßen. Jede Baumart hat ihren Schädling: Borkenkäfer und Nonnenspinner setzen Fichten und Kiefern zu. Buchen und Erlen leiden unter einem Pilzbefall, die Eiche unter dem Eichenprozessionsspinner, der schwere gesundheitliche Folgen auch für den Menschen haben kann. Mittlerweile sind die Schäden an den Bäumen auch für den Laien nicht mehr zu übersehen. Kahlflächen, vertrocknete Bäume und Jungpflanzen, abgebrochene Bäume und Äste gehören seit einigen Monaten zum Waldbild dazu.

160 Millionen Festmeter Schadholz

Die Schäden sind enorm: Rund 160 Millionen Festmeter Schadholz und Schadflächen in einer Größenordnung von rund 245.000 Hektar im Februar 2020 sind das vorläufige Resultat dieser Krise. Aufgrund des milden Winters, des trockenen Aprils und der daraus resultierenden, rasanten Schädlingsvermehrung ist ein Ende (noch) nicht in Sicht. Die AGDW rechnet mit einem Anstieg dieser Schadensbilanz.
Für die privaten, kommunalen und körperschaftlichen Waldeigentümer, die rund 67 Prozent der Waldfläche in Deutschland bewirtschaften, sind die Auswirkungen gravierend: Waldbesitzer, die sich ihren Wäldern verbunden fühlen und diesen vielleicht seit Generationen pflegen und bewirtschaften, müssen erleben, wie Teile ihrer Wälder in wenigen Monaten zerstört sind. Manche Familienforstbetriebe sind in ihrer Existenz bedroht, da die Holzpreise immer weiter in den Keller fallen. Waldbesitzern fehlt zunehmend die Liquidität um nicht nur die schweren Schäden zu beseitigen, sondern in die Wiederbewaldung zu investieren.

Der Klimaschützer

Die Waldeigentümer leisten mit ihrer nachhaltigen Waldbewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Ökosystems Wald, zur Artenvielfalt, zum Klimaschutz, zur Bereitstellung des Rohstoffes Holz, sie sorgen dafür, dass die Wälder als Erholungsort genutzt werden können. Wälder sind unsere Lebensgrundlage: Sie produzieren Sauerstoff, sorgen für sauberes Trinkwasser, nehmen Kohlenstoff auf und sind damit die Klimaschützer schlechthin. Ohne Wälder gibt es kein Leben auf der Erde.
Daher muss die Rettung unserer Wälder eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Die Waldeigentümer können dies nicht allein stemmen. AGDW-Präsident Hans-Georg von der Marwitz fordert daher einen ressortübergreifenden „Pakt für den Wald“. Bundesregierung und einige Bundesländer haben die Auswirkungen dieser Katastrophe im Jahr 2019 schnell erkannt und Hilfen zugesichert. Beim Waldgipfel am 25. September 2019 hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Hilfen in einer Höhe von rund 800 Millionen Euro zugesagt, die aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus hat sie zahlreiche weitere Maßnahmen vorgestellt, wie etwa ein modernes Schadensmonitoring sowie die bessere Ausstattung der forstlichen Forschungseinrichtungen, um die Wälder im Klimawandel zu stabilisieren.