Krise im Wald

Der Klimawandel ist in den Wäldern angekommen. Die Aneinanderreihung von trockenen Sommern seit 2018, die vorangegangenen Stürme und die Folgeschäden mit einer Vielzahl von Schädlingen und Krankheiten haben dem Wald in Deutschland zugesetzt. Ein einzelnes Extremwetterereignis würde der Wald verkraften, eine ganze Kette jedoch aus Stürmen, Dürre, Trockenheit und Schneebruch, wie sie in jüngerer Zeit auftreten, hat zu einer Jahrhundertkatastrophe in den Wäldern geführt.
Betroffen sind alle Baumarten, Nadel- wie Laubbäume gleichermaßen. Jede Baumart hat ihren Schädling: Borkenkäfer und Nonnenspinner setzen Fichten und Kiefern zu. Buchen und Erlen leiden unter einem Pilzbefall, die Eiche unter dem Eichenprozessionsspinner, der schwere gesundheitliche Folgen auch für den Menschen haben kann. Mittlerweile sind die Schäden an den Bäumen auch für den Laien nicht mehr zu übersehen. Kahlflächen, vertrocknete Bäume und Jungpflanzen, abgebrochene Bäume und Äste gehören in Deutschland zum Waldbild dazu.

171 Millionen Festmeter Schadholz

Die Schäden sind enorm: Rund 171 Millionen Festmeter Schadholz und Schadflächen in einer Größenordnung von rund 277.000 Hektar (Stand: Februar 2021) sind das vorläufige Resultat dieser Krise. Die AGDW rechnet mit einem Anstieg dieser Schadensbilanz.

Für die privaten, kommunalen und körperschaftlichen Waldeigentümer, die rund 67 Prozent der Waldfläche in Deutschland bewirtschaften, sind die Auswirkungen gravierend: Waldbesitzer, die sich ihren Wäldern verbunden fühlen und diesen vielleicht seit Generationen pflegen und bewirtschaften, müssen erleben, wie Teile ihrer Wälder in wenigen Monaten zerstört sind. Manche Familienforstbetriebe sind in ihrer Existenz bedroht, da die Holzpreise in den Keller gefallen sind. Waldbesitzern fehlt zunehmend die Liquidität um nicht nur die schweren Schäden zu beseitigen, sondern in die Wiederbewaldung zu investieren.

Der Ausschuss für Betriebswirtschaft des Deutschen Forstwirtschaftsrates hatte im Frühjahr 2021 eine vorläufige Bilanz gezogen: Demnach beläuft sich der bundesweite Gesamtschaden in der Forstwirtschaft in den davorliegenden drei Jahren auf rund 13 Milliarden Euro. Diese Summe entspricht etwa dem Zehnfachen des Nettogewinns, den die deutsche Forstwirtschaft jährlich erwirtschaftet,

Der Klimaschützer

Die Waldeigentümer leisten mit ihrer nachhaltigen Waldbewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Ökosystems Wald, zur Artenvielfalt, zum Klimaschutz, zur Bereitstellung des Rohstoffes Holz, sie sorgen dafür, dass die Wälder als Erholungsort genutzt werden können. Wälder sind unsere Lebensgrundlage: Sie produzieren Sauerstoff, sorgen für sauberes Trinkwasser, nehmen Kohlenstoff auf und sind damit die Klimaschützer schlechthin. Ohne Wälder gibt es kein Leben auf der Erde.
Daher muss die Rettung unserer Wälder eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Die Waldeigentümer können dies nicht allein stemmen. AGDW-Präsident Hans-Georg von der Marwitz fordert daher einen ressortübergreifenden „Pakt für den Wald“. Bundesregierung und einige Bundesländer haben die Auswirkungen dieser Katastrophe im Jahr 2019 schnell erkannt und Hilfen zugesichert. Beim Waldgipfel am 25. September 2019 hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Hilfen in einer Höhe von rund 800 Millionen Euro zugesagt, die aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus hat sie zahlreiche weitere Maßnahmen vorgestellt, wie etwa ein modernes Schadensmonitoring sowie die bessere Ausstattung der forstlichen Forschungseinrichtungen, um die Wälder im Klimawandel zu stabilisieren.

Im Jahr 2020 hat die Bundesregierung die Waldeigentümer noch einmal mit rund 700 Millionen Euro im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets unterstützt. Das Herzstück der Hilfen ist eine eine Nachhaltigkeitsprämie Wald, die jeder Waldbesitzer beantragen kann, dessen Wald PEFC- oder FSC-zertifiziert ist.

Wussten Sie schon?
Für die Wiederbewaldung weltweit stünde ein Gebiet von der Größe der USA zur Verfügung.