Gemeinsame Pressemitteilung des Fachverbandes Holzenergie, der AGDW und der Familienbetriebe Land und Forst

Verbände warnen vor politischen Eingriffen – Energetische und stoffliche Nutzung müssen zusammengedacht werden

Eine Zusammenstellung aktueller Marktdaten zeigt, dass eine pauschale politische Vorrangregel für die stoffliche Nutzung von Holz an den tatsächlichen Marktverhältnissen vorbeigeht. Das gemeinsame Papier vom Fachverband Holzenergie (FVH), des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer und den Familienbetrieben Land und Forst kommt zu dem Ergebnis, dass der Absatz von Schwachholzsortimenten für die stoffliche Nutzung seit Jahren rückläufig ist und somit weder Papier- und Zellstoff- noch Holzwerkstoffindustrie zusätzliche Holzmengen benötigen. Eine pauschale Priorisierung der stofflichen vor der energetischen Holznutzung würde daher nicht zu mehr stofflicher Verwertung führen, sondern funktionierende Märkte grundlos einschränken, Holzpreise unter Druck setzen und die nachhaltige Energieholznutzung gefährden.

Die zentralen Ergebnisse der Analyse:

• Der Faserholzeinsatz in der Papier- und Zellstoffindustrie ging von 10,6 Mio. fm im Jahr 2010 auf 7,6 Mio. fm im Jahr 2025 zurück. Damit wurde vor 15 Jahren noch fast anderthalbmal so viel Holz in der Papier- und Zellstoffindustrie eingesetzt wie aktuell.
• Das Angebot an Sägenebenprodukten von rund 17 Mio. m³ übersteigt die stoffliche Nachfrage von gut 9 Mio. m³ deutlich.
• Die Produktion der deutschen Holzwerkstoffindustrie weist langfristig ebenfalls eine sinkende Tendenz auf und ging von 7,9 Mio. m3 im Jahr 2019 auf 7,1 Mio. m3 im Jahr 2024 kontinuierlich zurück, unterbrochen lediglich durch einen Ausreißer im Jahr 2021.

Die Verbände sprechen sich vor diesem Hintergrund für einen marktorientierten Ansatz bei der Holzverwendung aus. Stoffliche und energetische Nutzung sind keine Gegensätze, sondern komplementäre Bestandteile einer nachhaltigen Bioökonomie und wichtig für die multifunktionale Forstwirtschaft. Zusätzliche bürokratische Vorgaben zur Holzverwendung beeinträchtigen die Holzmobilisierung für alle Anwendungsbereiche und funktionierende Wertschöpfungsketten, so die Warnung der Verbände.

Marlene Mortler, Vorsitzende des Fachverbands Holzenergie (FVH) im Bundesverband Bioenergie e.V., dazu: „Holzenergie ist kein Konkurrent der stofflichen Nutzung, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer ganzheitlichen Holzverwendung. Die rückläufigen Zahlen der stofflichen Verwertung minderwertiger Holzsortimente zeigen eindrücklich, dass hier eine Phantomdebatte geführt wird und es kein generelles Versorgungsproblem mit Holz gibt. Zudem hätten ordnungsrechtliche Einschränkungen der energetischen Holznutzung massiv negative Konsequenzen für Wirtschaft und Umwelt: Zwei Drittel der erneuerbaren Wärme in Deutschland basieren auf Holz; Holzenergie spart jährlich mehr als 34 Mio. Tonnen CO₂ ein und ersetzt zudem Öl- und Gasimporte im Wert von mehr als 5 Mrd. Euro pro Jahr. Das ist ein immens wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit, den Klimaschutzzielen und heimischer Wertschöpfung.“

Der Präsident des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer, Prof. Andreas Bitter, erklärt: „Regelmäßige Waldpflege ist die Voraussetzung für stabile, klimaresiliente Wälder. Bei diesen Pflegemaßnahmen fällt in aller Regel Holz an, das häufig nur energetisch genutzt werden kann. Die Vermarktung solcher Brennholzsortimente ist unverzichtbar, um mit den Erlösen die Waldpflege und den klimaangepassten Waldumbau zu finanzieren. Politisch verordnete Beschränkungen zulasten von Energieholz wären deshalb weder ordnungspolitisch noch klima- oder forstpolitisch zu rechtfertigen. Sie würden eine nachhaltige Bewirtschaftung erschweren und die Marktposition der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer beeinträchtigen.“

Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst: „Nachhaltige Holzverwendung entsteht nicht durch staatliche Lenkung, sondern durch funktionierende Märkte. Gerade für Schwachholz, Waldrestholz und Landschaftspflegematerial gibt es häufig keine wirtschaftlich tragfähige stoffliche Alternative. Wer die energetische Nutzung politisch einschränkt, schwächt die wirtschaftliche Grundlage der Waldbesitzer und gefährdet Investitionen in klimaresiliente Wälder.“

Das Papier „Funktionierende Nutzungsketten und Holzmärkte erhalten – Für eine realistische Bewertung von Kapazitäten“ steht Ihnen hier zum Download bereit.