Waldumbau und Wiederaufforstung
Interview mit Oliver Hilpold
Ein Mehrgenerationenprojekt gelingen lassen
Herr Hilpold, als CEO führen Sie THE LIECO COMAPNY, unter dessen Dach die Forstbaumschulen Lürssen und LIECO zu Hause sind. Wie beurteilen Sie die Lage der Wälder in Deutschland?
Eine pauschale Aussage ist angesichts der regionalen Unterschiede und standörtlichen Vielfalt kaum möglich. Doch ist klar, dass die Auswirkungen des Klimawandels in den vergangenen Jahren tiefe Spuren im deutschen Wald hinterlassen haben. Bis Mitte 2024 wurden von den Bundesländern insgesamt rund 700.000 Hektar an Schadflächen in den deutschen Wäldern registriert – das entspricht mehr als sechs Prozent der gesamten Waldfläche, die wieder aufzuforsten ist. Hinzu kommen Schäden auf anderen Flächen, die weniger gravierend sind, aber dennoch Handeln erfordern. In dieser Situation greifen viele Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer in den betroffenen Regionen auf Unterstützung und kompetente Beratung zurück, damit die Wiederaufforstung und der Waldumbau gelingen. Dabei denke ich neben staatlichen Förderprogrammen auch an Netzwerke zwischen Unternehmen, Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern.
Oliver Hilpold, CEO von THE LIECO COMPANYNeben der tatsächlichen Wiederbewaldung liegt unser Fokus auf dem Waldumbau. Hier braucht es mehr als nur Naturverjüngung. Der Wald der Zukunft wird je nach Gegebenheiten vor Ort aus einer Mischung aus Naturverjüngung und Pflanzung bestehen. Für uns besteht die wichtigste Aufgabe darin, den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern geeignete, standortangepasste Pflanzen in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es nicht nur um die Lieferung von Pflanzen, sondern auch um Beratung und Wissenstransfer.
Trotz allem bleibt die Ungewissheit darüber, welche Baumarten und Herkünfte sich langfristig bewähren werden. Wir begleiten Waldbesitzende dabei, ihre Flächen langfristig möglichst stabil und zukunftsfähig aufzustellen – durch qualitativ hochwertiges Pflanzgut, Beratung und umfassende Forstdienstleistungen. Am Ende ist der Waldumbau eine Mehrgenerationenaufgabe, die fundierte individuelle Entscheidungen auf Basis von Standortgegebenheiten, in Frage kommenden Baumarten und Herkünften erfordert.
Das Thünen-Institut beziffert die Waldumbaukosten allein auf den Flächen mit führender Baumart Fichte und Buche, das sind rund 2,9 Millionen Hektar, auf bis zu 43 Milliarden Euro in den kommenden 30 Jahren. Das zeigt die Größe der Aufgabe. Wie lässt sie sich meistern?
Unsere gemeinsame Aufgabe in der Forstbranche ist es, den Waldumbau mit Naturverjüngung, hochwertigen Pflanzen, Know-how und Erfahrung zum Erfolg zu führen, und zwar nicht nur dort, wo Fichte und Buche die führenden Baumarten sind oder waren. Für den Waldbesitzer muss es darum gehen, sich auf die Qualität seiner Forstpflanzen verlassen zu können. Bei uns wird die gesamte Wertschöpfungskette abgebildet – vom Samenkorn über die Anzucht in Containern oder auf dem Feld, über die Versetzung der Pflanzen im Gelände bis zur Pflege des jungen Bestandes. Das schafft Kontinuität und Verlässlichkeit. Denn wir sichern eine hohe Wurzelqualität, große Anwuchssicherheit und durch weitere Pflege letztlich eine hohe Erfolgsquote bei der Aufforstung und dem Umbau.
Wie sieht es mit dem Waldumbau in Regionen aus, in denen der Wald weniger stark in Mitleidenschaft gezogen ist?
Auch dort ist der Handlungsbedarf groß. Der Klimawandel betrifft alle Regionen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Deshalb gilt es, auch in intakten Beständen rechtzeitig mit gezielten Mischungs- und Strukturmaßnahmen gegenzusteuern. Das Ziel ist, die Wälder schrittweise resilienter zu machen und die Risiken für Schäden zu mindern. Im Sinne der Risikominderung gilt es, auf mehrere Baumarten zu setzen. Doch letztendlich muss jeder Waldeigentümer die passenden Konzepte für seinen Wald individuell verwirklichen.
Gewächshaus: Hier gedeihen die Bäume für den Wald der Zukunft.
Waldpflege für den gelingenden Waldumbau: Freischneider auf einer Wiederaufforstungsfläche.das in vielen Ländern präsent ist?
Das Gesetz des Örtlichen erinnert uns daran, dass Waldbau immer regional gedacht werden muss. Was in Bayern funktioniert, kann in Nordhessen oder Brandenburg schon ganz anders aussehen. Deshalb sind wir in so vielen Regionen zu Hause. Regionalität ist einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Waldumbaus. Gleichzeitig können unsere MitarbeiterInnen voneinander lernen und wir gemeinsame Schlüsse aus den Projekten ziehen.
Sie betonen die Herkunftsgarantie als wichtiges Merkmal Ihrer Pflanzen. Was genau garantieren Sie?
Wir garantieren, dass jede Pflanze aus einer klar nachvollziehbaren Herkunft stammt. Das bedeutet: Das Saatgut, mit dem wir arbeiten, hat im übertragenen Sinne eine Geburtsurkunde. Gewonnen in einem zertifizierten Saatgutbestand wird es entlang der gesamten Produktionskette lückenlos dokumentiert. Diese Rückverfolgbarkeit ist entscheidend, um sicherzustellen, dass das Pflanzgut optimal an die jeweiligen ökologischen Bedingungen angepasst ist – und somit die besten Voraussetzungen für einen stabilen, klimaresilienten Waldumbau bietet. In Zeiten des Klimawandels lassen sich außerdem Schlüsse daraus ziehen, wo bereits ein Herkunftsshift stattgefunden hat.
Wie steht es um die Verfügbarkeit von Saat- und Pflanzgut für wichtige Baumarten? Wie können Knappheiten vermieden werden?
Die Verfügbarkeit ist derzeit tatsächlich ein zentrales Thema. Zertifiziertes Saatgut war immer schon ein knappes Gut. Gestresste Bäume fruktifizieren schlechter, so dass beim geernteten Saatgut die Ausfallquote höher geworden ist. Die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer bekommen dies im Gegensatz zur Direktsaat aber nicht zu spüren, da das Risiko des Ausfalls in unserer Produktion aufgefangen wird.
Wer waldbauliche Maßnahmen plant, sollte frühzeitig Kontakt zu Baumschulen aufnehmen, um sich per Vorbestellung, auch Lohnanzucht genannt, das benötigte Pflanzgut zu sichern.
Herr Hilpold, wir danken für das Gespräch!