Der Verband AGDW – Die Waldeigentümer warnt vor erheblichen Auswirkungen der EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) auf die forstwirtschaftliche Praxis in Deutschland. In der vorliegenden Form führt die WVO zu massiver Verunsicherung in den Forstbetrieben und schränkt den klimaangepassten Waldumbau ein.

Ungewissheiten angesichts des Klimawandels
„Gerade in einer Phase, in der die Waldeigentümer angesichts großer Ungewissheiten im Zuge des Klimawandels besonders auf Planungssicherheit angewiesen sind, wird durch zusätzliche regulatorische Unklarheit genau das Gegenteil bewirkt“, erklärt AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter. „Das schwächt die Handlungsfähigkeit der Betriebe und ist weder sachgerecht noch verantwortbar.“

Gemeinsam mit Wissenschaft und Landnutzern praxistaugliche Lösungen entwickeln
Besonders kritisch bewertet die AGDW den laufenden Prozess zur Erstellung des Nationalen Wiederherstellungsplans, dessen Entwurf vor wenigen Tagen in die Öffentlichkeitsbeteiligung gegeben wurde. Während zentrale Fragen der praktischen Umsetzung wie die Zukunftsfähigkeit der Lebensraumtypen (LRT) oder die Ist- und Zielzustände der Wald-Indikatoren und die Finanzierung weiterhin ungeklärt sind, wird die nationale Umsetzung der WVO mit hohem Tempo vorangetrieben. „Statt gemeinsam mit der Wissenschaft und den Landnutzern zukunftsorientierte praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, entsteht der Eindruck eines administrativen Aktionismus, der die Realitäten einer dynamischen Umwelt nur unzureichend berücksichtigt“, so Prof. Bitter.

Fragwürdiger Start der Öffentlichkeitsbeteiligung
Der Start der Öffentlichkeitsbeteiligung ist umso fragwürdiger, da die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine vollständige Neuaufsetzung der Verordnung fordert. „Die Forderung der Unionsfraktion nach einer grundlegenden Überarbeitung der WVO ist ausdrücklich zu begrüßen und ein notwendiges wie überfälliges Signal von CDU und CSU an den ländlichen Raum“, erklärt Prof. Bitter. „In ihrer jetzigen Form ist die Verordnung weder praxistauglich noch verhältnismäßig und gefährdet bewährte Strukturen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung.“

Es braucht jetzt eine realistische Neuausrichtung
Die AGDW fordert – wie auch vor kurzem der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und damit die gesamte deutsche Forstwirtschaft – eine Aussetzung der laufenden Umsetzungsschritte, um Raum für eine substanzielle Überarbeitung auf europäischer Ebene zu schaffen. „Es braucht jetzt eine realistische Neuausrichtung, die ökologische Ziele in zukünftig anpassungsfähige Waldökosysteme übersetzt und praktische Umsetzbarkeit mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit in Einklang bringt“, so Prof. Bitter.