Beitrag vom 10. September 2026

Bundeskongress Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse 2026

Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse (FWZ) sind unverzichtbar, um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und die damit einhergehenden vielfältigen Leistungen des Waldes für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu sichern. Das wurde einmal mehr beim 25. Bundeskongress Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse (BUKO) am 8. und 9. September in Berlin deutlich. Auf dem zweitägigen Kongress standen politische Fragen auf EU- und nationaler Ebene ebenso wie Marktentwicklungen und Branchentrends auf der Tagesordnung.

Der Fachkongress, den das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gemeinsam mit dem Verband AGDW – Die Waldeigentümer ausrichtete, machte deutlich, dass Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse insbesondere kleineren Waldbesitzenden eine professionelle und proaktive Waldbewirtschaftung zur Sicherung der Ökosystemleistungen ermöglichen, dass sie den Holzabsatz bündeln und die Wertschöpfung im ländlichen Raum stärken.

In ihren Impulsen führten Dr. Hans-Martin Hauskeller (Niedersächsische Landesforsten) und Prof. Dr. Ralf Kätzel (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde) in die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur und die Anpassung von Wäldern durch unterstützte Migration ein.

Nach einem in vielen Regionen für die Wälder viel zu trockenen Sommer ergeben sich für die bundesweit mehr als 1.500 Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in diesem Herbst nicht nur Herausforderungen durch die Auswirkungen des Klimawandels. Mit dem zum Jahresende bevorstehenden Gültigkeitsbeginn der EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Produkten stehen der Forstwirtschaft neue EU-Vorgaben ins Haus – obwohl Deutschland erwiesenermaßen entwaldungsfrei ist. Angesichts der schwierigen Lage haben die Teilnehmer des Bundeskongresses Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse zum Auftakt der Konferenz eine Resolution an die Bundesregierung übergeben.
Quintessenz: Wir brauchen mehr Vertrauen in das Handeln der Waldbesitzenden und weniger Vorschriften für die forstliche Praxis und diejenigen, die generationenübergreifend die Verantwortung tragen. Die Teilnehmer wenden sich mit fünf konkreten Forderungen an die Politik. Zur kompletten Resolution im Wortlaut.

Thorsten Hinrichs (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat) gab Informationen zur Anwendung der EU-Verordnung für Entwaldungsfreie Lieferketten und stellte sich der Kritik der Waldbesitzerverbände und forstlichen Zusammenschlüsse.

Bei der Fachdiskussion zur Situation am Holzmarkt ging es um Chancen und Risiken für Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse. Den einleitenden Impuls zum Holzmarkt im Überblick: Status quo und Ausblick gab Michael Fehrle, Holzmarkt-Redakteur. Angesichts volatiler Märkte lag das Augenmerk der Debatte zum einen auf den Lieferbeziehungen, zum anderen auf strukturellen Entwicklungen in der Forst- und Holzbranche. Ein Fokus auf dem Podium angesichts teils sehr hoher Holzvorräte gerade im Kleinprivatwald: Eine verstärkte Holzmobilisierung, auch im Sinne der Krisenvorsorge. Barbara Weindler vom Bayerischen Waldbesitzerverband betonte vor dem Hintergrund bisheriger Kalamitäten, seit 2018 habe ein Umdenken bei den Waldbesitzern in Bayern stattgefunden und ging auf die wichtige Rolle der Zusammenschlüsse für den Holzmarkt ein. Das Kalamitätsmanagement dürfe nicht losgelöst vom Holzmarkt betrachtet werden. Dr. Carsten Merforth, Präsident beim Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie, plädierte dafür „mehr im Sinne der Kalamitätsvorsorge“ zu denken, um Mengen im Zeitverlauf besser verteilen zu können, so auch über verbesserte Lagermöglichkeiten.

Die Fachvorträge finden Sie hier: www.buko-fwz.de/programm

In fünf parallelen Thementischen wurden zentrale Handlungsfelder für die Zukunft der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse herausgearbeitet. Deutlich wurde dabei die breite Bedeutung der FWZ für den Kleinprivatwald: Sie schaffen professionelle Strukturen, bündeln die Interessen der Waldbesitzenden und tragen dazu bei, die vielfältigen Leistungen des Waldes für Gesellschaft und Umwelt zu sichern. Diese Rolle und die Leistungen der FWZ müssen künftig noch stärker sichtbar gemacht werden.

Als zentrale Voraussetzungen wurden weniger Bürokratie und mehr Gestaltungsspielraum, Planungssicherheit und verlässliche sowie langfristige Förderbedingungen genannt. Weitere Schwerpunkte waren die Stärkung des Ehrenamtes, neue Serviceangebote und digitale Lösungen sowie eine bessere Vernetzung und Kommunikation. Gerade über ihre gewachsenen Strukturen erreichen FWZ die Waldbesitzenden in der Fläche, vermitteln rechtliche Anforderungen und sorgen dafür, dass Förderangebote im Kleinprivatwald ankommen.Die Ergebnisse wurden zum Abschluss der zwei Tage mit den forstpolitischen Sprechern im Bundestag und den Vorsitzenden des Gesprächskreises Ländlicher Raum besprochen. Die Moderatoren der Thementische haben jeweils die gemeinsam erarbeiteten Diskussionspunkte den Bundestagsabgeordneten vorgestellt und die Fragen der Praxis besprochen.

Die zwei Tage boten insgesamt viele Möglichkeiten für intensiven Austausch zwischen Forstpraxis und Politik. Auch bei der Abendveranstaltung wurden die Gespräche vertieft und Vergleiche gezogen von Bundesland zu Bundesland oder von Ehrenamt zu Hauptamt, es wurde viel gesprochen über organisierte und digitalisierte FWZ, über Holzerlöse und Klimawandel und vieles mehr.

Wir danken ganz herzlich dem BMLEH, der FNR, dem IK und den AGDW-Kooperationspartnern für die Unterstützung!

Bildquelle AGDW/Sebastian Runge

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